Im Beitrag:
1. Bauthermografie
1.1 Was ist Thermografie?
Thermografie ist ein berührungsloses Prüfverfahren, bei dem die Intensität der Infrarotstrahlung, die von einem Punkt ausgeht, gemessen und zur Ermittlung der Temperatur genutzt wird. Mithilfe einer Wärmebildkamera werden Wärmebilder erstellt, auf denen verschiedene Oberflächentemperaturen durch unterschiedliche Färbungen dargestellt sind. Zu den wichtigsten Anwendungsbereichen der Thermografie zählt das Bauwesen, wo sie als zerstörungsfreie Untersuchungsmethode angewandt wird, um die Gebäudehülle energetisch zu bewerten. Man spricht von Bauthermografie.
1.2 Welche Mängel lassen sich mit der Wärmebildkamera aufdecken?
Die wichtigste Aufgabe der Bauthermografie ist die Ortung von Wärmebrücken und Luftleckagen. Mit der Wärmebildkamera wird vor allem der Zustand der Wärmedämmung von Wohn- und Industriegebäuden bestimmt. So lassen sich beispielsweise Dämmfehler lokalisieren und die Ursachen für Feuchteschäden ermitteln. Zudem können mit Bauthermografie Leckagen von defekten Heizleitungen oder Wasserleitungen in der Wand oder im Boden verortet werden. Auch verdeckte Konstruktionselemente wie Anker, Fachwerk oder Hohlräume lassen sich mit dieser Methode aufspüren. Ebenso können Leitungen und andere Elemente der technischen Gebäudeausstattung im Boden oder in der Wand präzise lokalisiert werden. Nicht zuletzt werden mit der Wärmebildkamera Fenster und Türen auf ihre Luftdichtigkeit überprüft.
2. Wann ist es Zeit für eine Untersuchung mit der Wärmebildkamera?
Es ist grundsätzlich sinnvoll, vor dem Kauf einer Immobilie, nach dem Bau eines Neubaus sowie vor und nach einer thermischen Gebäudesanierung eine Untersuchung mit der Wärmebildkamera durchführen zu lassen.
2.1 Thermografie vor dem Immobilienkauf
Wenn Sie den Erwerb einer Immobilie in Erwägung ziehen, sollten Sie auf jeden Fall eine Untersuchung mit der Wärmebildkamera vornehmen lassen. So lassen sich mögliche Mängel wie Schwachstellen in der thermischen Hülle des Gebäudes oder Feuchtigkeitsschäden frühzeitig erkennen. Besonders vor dem Kauf eines Niedrigenergie- oder Passivhauses ist es ratsam, mittels Thermografie zu überprüfen, ob das Gebäude tatsächlich dem aktuellen Standard entspricht.
Auf diese Weise können Sie den tatsächlichen Zustand des Gebäudes frühzeitig erkennen und einen Preisnachlass fordern oder von einem nicht lohnenswerten Kauf zurücktreten.
2.2 Thermografie während des Hausbaus
Bei Bauvorhaben treten leider häufig Baumängel oder -schäden auf, die die Energieeffizienz des fertiggestellten Gebäudes beeinträchtigen können. Besonders riskant sind die Herstellung von Balkonen und anderen auskragenden Bauteilen sowie die Dämmung des Gebäudes. Bauthermografie ermöglicht es, potenzielle Mängel bereits während des Bauprozesses zu identifizieren und umgehend zu beheben. Dadurch können sowohl Kosten als auch Nerven gespart werden.
2.3 Thermografie bei der Sanierung eines Bestandsbaus
Durch eine Untersuchung mit der Wärmebildkamera lassen sich Schwachstellen in der thermischen Hülle eines Bestandsgebäudes sowie der daraus resultierende Sanierungsbedarf präzise erkennen. Dies ermöglicht eine gezielte Planung der Sanierungsmaßnahmen. Nach der thermischen Sanierung kann die Thermografie eingesetzt werden, um die Effizienz der durchgeführten Maßnahmen zu überprüfen.
Die Wärmebildkamera ist das Hauptwerkzeug bei der thermografischen Untersuchung von Gebäuden
3. Ablauf einer Untersuchung mit der Wärmebildkamera
Die thermografische Untersuchung eines Gebäudes beinhaltet eine präventive Kontrolle der elektrischen Anlagen und Geräte sowie eine Inspektion der Gebäudehülle.
3.1 Überprüfung der Elektroinstallation
Mit der Wärmebildkamera kann eine umfassende Überprüfung aller elektrischen Installationen im Gebäude durchgeführt werden. Dabei ist es wichtig, dass die Anlagen und Geräte während der Untersuchung in Betrieb sind und keine Hindernisse zwischen ihnen und der Wärmebildkamera stehen. Während der thermografischen Untersuchung werden mögliche Anomalien präzise lokalisiert, und es werden die Temperaturen an kritischen Stellen gemessen.
3.2 Überprüfung der Gebäudehülle
Die Inspektion der Gebäudehülle kann entweder von außen, von innen oder von beiden Seiten des Gebäudes erfolgen. Von außen werden alle sichtbaren Außenflächen der Fassade überprüft, während von innen alle Innenflächen der Gebäudehülle kontrolliert werden. Anhand der Messresultate können Wärmelecks, Kondenswasserbildung und Schimmelbefall genau bestimmt werden. Das Ergebnis der thermografischen Untersuchung zeigt die wärmetechnisch auffälligen Bereiche des Gebäudes auf und ermöglicht deren präzise Bestimmung.
4. Wie viel kostet eine Untersuchung mit der Wärmebildkamera?
Die Kosten für eine thermografische Untersuchung hängen vor allem von der Anzahl der Wärmebilder, der Größe des Gebäudes und dem jeweiligen Anbieter ab, da Thermografie ein bildgebendes Verfahren ist. In der Regel liegt der Preis für die Untersuchung eines Einfamilienhauses zwischen 200 und 600 €. Besonders günstige Angebote am unteren Ende der Preisspanne bieten oft einen eingeschränkten Leistungsumfang und umfassen meistens nur die Außenthermografie, während die Innenthermografie möglicherweise nicht durchgeführt wird. Um verlässliche Ergebnisse zu erhalten, sollte man daher nicht nur auf den Preis achten.
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