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1. Potenziale und Gestaltung von Hanghäusern
Ein Grundstück mit Hanglage ist auf den ersten Blick eine Herausforderung, auf den zweiten jedoch eine große Chance. Statt flacher Monotonie bietet es Bewegung, Tiefe und Perspektive. Schon ein Gefälle von wenigen Prozent kann den Entwurf entscheidend beeinflussen und neue Möglichkeiten eröffnen. Doch was gilt eigentlich als Hanggrundstück?
In Deutschland existiert keine gesetzlich verbindliche, bundesweit gültige Definition des Begriffs Hanggrundstück. Weder das Baugesetzbuch (BauGB) noch die Landesbauordnungen (LBO) definieren, ab welcher Neigung ein Grundstück offiziell als Hang gilt. Ob ein Grundstück als Hanglage gilt, wird im Rahmen der Bauvoranfrage anhand des Geländeprofils im Lageplan beurteilt.
Architekten und Bauingenieure sprechen von einem Hanggrundstück, wenn es ein Gefälle von etwa 10 % oder mehr aufweist, oder der Höhenunterschied zwischen der höchsten und niedrigsten Stelle des Bauplatzes mehr als 2 m beträgt. Teilweise wird schon ab 2 % Gefälle von einer leichten Hanglage gesprochen, während ab 15-20 % von einer starken Hanglage die Rede ist. 2 % mag sich auf den ersten Blick nicht nach einem nennenswerten Gefälle anhören, doch auf einer Länge von 100 m bedeuten 2 % bereits einen Höhenunterschied von 2 m.
Die Hanglage muss jedoch keinen Nachteil bedeuten. Ganz im Gegenteil: Mit sorgfältiger Planung lässt sich das abfallende Gelände vorteilhaft nutzen und ein Hanghaus entwerfen, das praktisch ist, wunderschöne Ausblicke bietet und sich zugleich harmonisch mit dem Gelände und der Umgebung verbindet.
Manche Bauherren wollen das Grundstück komplett abtragen und auffüllen, um es zu nivellieren, was jedoch häufig keine gute Lösung ist. Abgesehen von den hohen Kosten für die aufwändigen Erdarbeiten wirken eingeebnete Grundstücke optisch häufig fremd in ihrer Umgebung.
2. Wie lässt sich die Hanglage optimal nutzen?
Bei der Planung eines Hanghauses muss der Architekt das Baugrundstück gründlich analysieren, um alle Vorteile herauszuarbeiten, die sich aus der Beschaffenheit des Bauplatzes ziehen lassen. Ein geschickter Entwurf respektiert die natürliche Topografie. Statt das Gelände zu verändern, wird das Haus so geplant, dass es sich den Höhenlinien anpasst. In der Praxis bedeutet dies meist eine Staffelung in zwei oder mehrere Ebenen, die vom Gelände vorgegeben werden. Weist das Grundstück beispielsweise einen Höhenunterschied von 3 m auf, so entspricht dies in etwa der Höhe eines Geschosses. Befindet sich die Zufahrt auf der oberen Ebene, liegen dort in der Regel der Eingang, die zugehörigen Nebenräume sowie die Wohnbereiche, während der untere Bereich für die Schlafräume vorgesehen ist. Die Raumaufteilung kann selbstverständlich variieren und richtet sich nach den Wünschen der Bauherren.
Führt die Zufahrt dagegen von unten auf das Grundstück, kehrt sich die Raumverteilung um. Eingang, Garage und Nebenräume befinden sich in diesem Fall unten, während die Wohn- und Schlafräume auf der höheren Ebene angeordnet sind, die auch voneinander getrennt sein können. Das Grundprinzip der Planung eines Hanghauses ist die Gliederung in verschiedene Ebenen, die sich direkt aus der Topografie ergibt. Zu den größten Vorteilen von Hanghäusern zählt die Möglichkeit einer terrassenartigen Bauweise, bei der jedes Geschoss bzw. jede Ebene direkten Zugang ins Freie hat. So entstehen großzügige Terrassen und Gärten auf verschiedenen Ebenen, die eine besondere Wohnqualität schaffen.
3. Stützmauern und Hangsicherung
Zur Hangsicherung, also um das Gelände zu stabilisieren und vor Erosion zu schützen, stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Die gängigste Form der Hangsicherung ist die Stützmauer, mit der sich verschiedene Ebenen oder Terrassen anlegen lassen, die jeweils unterschiedliche Funktionen erfüllen. So kann die unmittelbar am Haus gelegene obere Ebene als Terrasse dienen, von der aus man den Garten im tiefer gelegenen Bereich überblickt. Je nach Belastung und gewünschter Optik kommen Stahlbetonstützmauern, Konstruktionen aus bewehrter Erde oder Gabionen infrage. Bei geringeren Belastungen kann man sich auch für Trockenmauern sowie Stützmauern aus Schalsteinen oder Pflanzsteinen entscheiden. Neben ihrer praktischen Funktion erfüllen Stützmauern auch eine bedeutende ästhetische Funktion, da sie das Gesamtbild des Grundstücks beeinflussen und optisch aufwerten können.
Falls genügend Platz vorhanden ist, kann der Hang auch durch Abflachen (Böschung) und ggf. zusätzlich durch Erosionsschutzmatten gesichert werden. Welche Methode in einem konkreten Fall gewählt wird, hängt von der Topografie, der Bodenbeschaffenheit und den baurechtlichen Vorgaben ab.
4. Planungs- und Baukosten bei Hanghäusern
Aufgrund der schwierigeren Bebaubarkeit sind Hanggrundstücke meist günstiger als vergleichbare Parzellen in ebenem Gelände. Dieser scheinbare Preisvorteil relativiert sich allerdings rasch, wenn man die deutlich höheren Kosten für Planung, Erdarbeiten und Bauarbeiten berücksichtigt. Häufig übersteigen diese Mehrkosten die ursprüngliche Ersparnis beim Grundstückskauf deutlich.
Die Erschließung eines Hanggrundstücks ist fast immer teurer als die eines ebenen Bauplatzes und auch die Kosten für Aushub, Sicherung und Entsorgung liegen deutlich über jenen auf einem ebenen Grundstück. Dabei ist es egal, ob das Gelände nivelliert oder das Haus an den Hang angepasst wird.
Auch die Bauarbeiten können komplexer und damit teurer sein (insbesondere für jene Teile des Hauses, die teilweise im Erdreich liegen). Außerdem können je nach Ausführung höhere Material- und Arbeitskosten für die Schalung, Betonierung oder Hangsicherung anfallen.
All dies bedeutet, dass der Kaufpreis für ein Hanggrundstück zwar oft niedrig ist, dafür aber alle weiteren Kostenpunkte deutlich über dem Niveau eines vergleichbaren Projekts auf ebener Fläche liegen.
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