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1. Kriterien für die Wahl des Dämmstoffs
Bei der Wahl des Fassadendämmstoffs spielen neben den Kosten auch die bauphysikalischen Eigenschaften, die Qualität des Materials und die Einhaltung der geltenden Normen eine zentrale Rolle. Ebenso wichtig sind die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und die baulichen Rahmenbedingungen vor Ort. Ein wichtiger Punkt ist auch die Dicke der Dämmplatten, die mit Blick auf die Dämmwirkung des Materials, die technischen Grenzen und die architektonischen Vorgaben gewählt werden muss.
Darüber hinaus können besondere Anforderungen an den Brandschutz, die Schalldämmung oder den sommerlichen Hitzeschutz relevant sein. Letzterer hängt oft von der sogenannten Phasenverschiebung ab - also der Zeitspanne, die vergeht, bis sich eine Temperaturänderung auf der Außenseite im Innenraum bemerkbar macht. Auch Dampfdiffusionsoffenheit und wasserabweisende Eigenschaften können bei der Materialwahl eine wichtige Rolle spielen. Erst die ganzheitliche Betrachtung all dieser Punkte ermöglicht es, eine fundierte Entscheidung zu treffen, die sowohl technisch sinnvoll als auch wirtschaftlich tragfähig ist.
2. Was ist Steinwolle?
2.1 Steinwolle ist eine Variante der Mineralwolle
Steinwolle ist eine Form der Mineralwolle, die aus geschmolzenem Vulkangestein gewonnen wird. Sie bietet sowohl Wärme- als auch Schall- und Brandschutz und kann in nahezu allen Bereichen der Gebäudehülle eingesetzt werden. Zudem ist Steinwolle diffusionsoffen und daher ideal für den Einsatz in dampfdiffusionsoffenen Bauteilen. Sowohl Dämmstoffplatten als auch -lamellen aus Steinwolle zeichnen sich durch eine stabile Rohdichte und hohe Festigkeit aus, weshalb sie besonders gut für das Wärmedämmverbundsystem (WDVS) geeignet sind. Darüber hinaus lässt sich Steinwolle leicht verarbeiten und auf fast jedem Untergrund anbringen, auch auf Holz- oder Metallkonstruktionen.
2.2 Dämmplatten und Lamellen aus Steinwolle
Steinwolle wird in Form von Dämmstoffplatten und -lamellen verbaut. Der Unterschied besteht vor allem in der Ausrichtung der Fasern. Bei Platten sind diese parallel, bei Lamellen dagegen senkrecht zum Untergrund ausgerichtet, wodurch Lamellen abreißfester sind. Außerdem werden Lamellen in kleineren Formaten hergestellt als Platten. Beides führt dazu, dass Steinwolle-Lamellen leichter und schneller zu verarbeiten sind als Steinwolle-Platten, da es oft ausreicht, sie nur an der Fassade zu verkleben, während Platten zusätzlich verdübelt werden müssen.
3. Steinwolle und Schallschutz
Steinwolle weist ausgezeichnete schallabsorbierende Eigenschaften auf, weshalb Fassadensysteme mit Steinwolle sehr gute Schalldämmwerte erreichen. Allerdings hängen diese auch von der Dämmstoffdicke und dem Aufbau der Außenwand ab.
4. Steinwolle und Brandschutz
Steinwolle ist ein nichtbrennbarer Dämmstoff der höchsten europäischen Baustoffklasse A1 (nichtbrennbar ohne brennbare Bestandteile). In einem Wärmedämmverbundsystem stellt die Steinwolldämmung mengenmäßig den größten Anteil, allerdings besteht das WDVS auch aus anderen Komponenten, die schlechteren Baustoffklassen angehören (z. B. EPS-Hartschaum). Daher wird das WDVS als Ganzes in der Regel in die Brandschutzklasse A2 eingeordnet (nichtbrennbar mit brennbaren Bestandteilen), was einen sehr hohen Brandschutz garantiert.
5. Wie dampfdiffusionsoffen und wasserabweisend ist Steinwolle?
Die Dampfdiffusionsoffenheit eines Materials wird durch den sogenannten Wasserdampfdiffusionswiderstand (Dampfsperrwert oder µ-Wert) angegeben. Der µ-Wert von Steinwolle liegt typischerweise bei 1 bis 2, was bedeutet, dass das Material fast ebenso dampfdiffusionsoffen wie Luft ist. Entgegen häufiger Annahmen bleibt diese Eigenschaft auch im verbauten Zustand erhalten, selbst wenn die Dämmung mit Putzschichten überzogen wird (vorausgesetzt, es wird ein passender, ebenfalls diffusionsoffener Oberputz eingesetzt).
Für den Einsatz im WDVS gedachte Produkte aus Steinwolle sind werkseitig imprägniert und dauerhaft hydrophob, also wasserabweisend. Wichtig ist jedoch, dass es während der Verarbeitung zu keinem Feuchteeintrag in die Dämmung kommt. Sollte dies dennoch geschehen, muss die Dämmung vollständig austrocknen, bevor die abschließenden Schichten aufgebracht werden.
Steinwolle trocknet sehr schnell. Trotzdem sollten die Wandflächen bei allen Fassadenarbeiten unabhängig vom verwendeten Dämmstoff stets mit einem Fassadenschutznetz vor Witterungseinflüssen geschützt werden.
6. Verarbeitung von Steinwolle
Bei der Verarbeitung von Steinwolle sind keine besonderen Brandschutzmaßnahmen erforderlich, da das Material nichtbrennbar ist. Dennoch sollten die Hinweise zur persönlichen Schutzausrüstung beachtet werden, um Haut- und Atemwegsreizungen zu vermeiden. Des Weiteren ist zu beachten, dass Steinwolle bei unsachgemäßer Lagerung oder Verarbeitung Feuchtigkeit aufnehmen kann. Dies mindert die Dämmleistung und kann in Verbindung mit anderen Baustoffen zu Bauschäden führen. Deshalb sollte Steinwolle stets trocken gelagert, vor Niederschlag geschützt und nur in dafür geeigneten Konstruktionen eingesetzt werden.
7. Steinwolle: Preis pro m2
Steinwollprodukte haben sehr unterschiedliche Preise, da diese von der Plattendicke und der Funktion (Standarddämmung, Dachbodendämmung, Schalldämmung, Rohrisolierung usw.) abhängen. Hier ist eine tabellarische Übersicht der Preise nach den üblichen Dämmstoffdicken:
| Dämmstärke | Preis |
| 10 cm | 30-35 EUR/m2 |
| 12 cm | 32-38 EUR/m2 |
| 14 cm | 35-40 EUR/m2 |
| 16 cm | 38-45 EUR/m2 |
| 18 cm | 40-48 EUR/m2 |
| 20 cm | 42-50 EUR/m2 |
7.1 Förderungen
Für die Fassadendämmung stehen in Deutschland mehrere attraktive Förderprogramme zur Verfügung. Die wichtigste Fördermöglichkeit ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), die über die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) abgewickelt wird.
Das BAFA gewährt Zuschüsse für die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden, wenn diese älter als fünf Jahre sind. Der Fördersatz beträgt in der Regel 15 % der förderfähigen Kosten, mit einem Bonus von 5 %, wenn die Maßnahme im Rahmen eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP-Bonus) durchgeführt wird.
Wer sein Gebäude umfassend saniert und damit den energetischen Standard eines Effizienzhauses erreicht, kann über die KfW-Bank zusätzliche Förderungen erhalten. Je nach erreichtem Effizienzhaus-Niveau (z. B. EH 85, EH 70, EH 55) sind Tilgungszuschüsse von 5 % bis 45 % der förderfähigen Kosten möglich.
Ergänzend zur Bundesförderung bieten viele Bundesländer und Kommunen zusätzliche Förderprogramme an, die mit den BEG-Zuschüssen kombinierbar sind.
8. Fazit
In sehr vielen Situationen erweist sich Steinwolle als die beste Wahl. Die Verarbeitung des Dämmstoffs ist einfach (insbesondere bei Verwendung von Steinwolle-Lamellen). Die Kosten für eine Fassade mit Steinwolldämmung sind zwar etwas höher als bei einer Polystyroldämmung, doch sollte nicht vergessen werden, dass Steinwolle gegenüber Polystyrol mehrere Vorteile aufweist: besonders hoher Brandschutz (Brandschutzklasse A1), bessere Schalldämmung, höhere Diffusionsoffenheit (kann Feuchtigkeit besser ableiten als EPS) und längere Lebensdauer.
Fachartikel
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