Gleich zu Beginn stand fest: Diese Altbauwohnung im Berliner Prenzlauer Berg sollte kein neutrales Wohnobjekt werden, sondern ein sehr persönlicher Ort. Für Anna, eine private Bauherrin aus der Tech-Branche mit großer Affinität zu Kunst, Design und Ästhetik, entstand ein Wohnkonzept, das ihre Persönlichkeit ebenso widerspiegelt wie ihre Reisen, Erinnerungen und Sehnsüchte. Die helle Wohnung wurde zu einem individuell gestalteten Zuhause, das gleichermaßen Raum für Geselligkeit wie für Rückzug bietet. Prägende Einflüsse waren Annas längerer Aufenthalt in Kalifornien, ihre Begeisterung für mediterrane Elemente und ihr Wunsch nach einer Atmosphäre zwischen Ruhepol und sozialem Treffpunkt. Das gestalterische Leitmotiv lässt sich als ein spielerischer Mix aus mediterraner Leichtigkeit, Pop-Art-Anklängen und Vintage-Flair à la Palm Springs beschreiben.
Projekt: |
| Projektname: Apartment A. Berlin |
| Standort: Berlin, Prenzlauer Berg |
| Innenarchitektur: Fabiane Unger Interior Design |
| Fläche: 105 m² |
| Fertigstellung: Oktober 2024 |
| Fotos: Konrad Langer (Post production: Janine Junk) |
Bereits der Eingangsbereich stimmt auf diese Welt ein. Statt eines klassischen Flurs empfängt eine kleine, bewusst inszenierte „Art Gallery“ die Besucher. Ausgewählte, von Neo-Pop-Art und Architekturfotografie inspirierte Kunstwerke, die Anna über Jahre hinweg in Palm Springs, Brüssel und Madrid gesammelt hat, setzen hier erste Akzente. Sie geben nicht nur die Richtung der Farbigkeit vor, sondern transportieren auch die Energie, die sich durch die gesamte Wohnung zieht.
Die Küche greift dieses Zusammenspiel auf, bleibt dabei aber stets funktional und alltagstauglich. Salbeigrüne Fronten treffen auf Fliesen in warmen Terracotta-Nuancen und schaffen eine einladende, wohnliche Atmosphäre. Die grafisch gestalteten Fliesen von 41zero42, die sowohl in der Küche als auch im Bad eingesetzt wurden, erinnern an handgefertigte Keramik aus Mallorca. Die Küche ist aber nicht nur ästhetisch: Großzügige Arbeitsflächen und viel Stauraum kommen Annas Leidenschaft fürs Kochen und das Empfangen von Gästen zugute.
Einen besonderen Wandel erfuhr das Badezimmer. Der ehemals kleine, dunkle Raum wurde durch eine geflieste Podestlandschaft und warme, tiefe Farbtöne grundlegend neu interpretiert. Strukturierte Oberflächen und schwarze Details sorgen für Spannung und lassen die ursprüngliche Schlauchform des Raumes in den Hintergrund treten. Das Ergebnis ist ein intimer Rückzugsort mit Spa-Charakter. Durch einen Durchbruch wurde mehr Licht und Weite geschaffen. Der lange, bei Steinzeit Berlin in Neukölln erstandene Esstisch aus Onyx lädt zu ausgedehnten Abenden mit Freunden ein. Eine großzügige Sitzbank ergänzt den Tisch und schafft einen perfekten Platz für Aperitifs und Gespräche.
Die Sitzmöbel rund um den Esstisch erzählen ihre eigene Geschichte. Die Stühle von &traditon wurden mit individuell angefertigten Stoffbezügen versehen und bewusst als zusammengewürfeltes Ensemble in Szene gesetzt. Wenn am frühen Abend das Sonnenlicht tief in die Wohnung fällt, taucht es den Raum in warme Goldtöne. Üppige Grünpflanzen, platziert auf gefliesten Würfeln, verstärken das Gefühl, sich in einem Mid-Century-Bungalow irgendwo im Coachella Valley zu befinden.
Ein prägendes Element des Esszimmers ist ein Werk des Künstlers Amir Fattal, das Anna bei ihren Streifzügen durch Berliner Galerien entdeckte. Seine Darstellung der minimalistischen Palm-Springs-Architektur aus den 1950er-Jahren traf genau ihren Nerv - nicht zuletzt, weil er sich bei seiner Arbeit von Künstlicher Intelligenz inspirieren lässt, einem Themenfeld, in dem Anna selbst als Expertin tätig ist. Schnell entstand die Idee zu einer maßgeschneiderten Auftragsarbeit. Heute bildet das Bild das emotionale Zentrum des Wohnbereichs und schlägt die Brücke zwischen Kalifornien und Berlin.
Im gesamten Apartment wurde neues, lose platziertes Mobiliar mit Annas mitgebrachten Lieblingsstücken kombiniert. Annas Wohlfühlcouch wurde geteilt, neu positioniert und so in das Raumgefüge integriert, dass sie sowohl mit dem Essbereich als auch mit einem antiken Erbstück, dem dunklen Esszimmerschrank, in Dialog tritt. Dadurch entstand ein lebendiger, offener Wohnraum mit klaren Bezügen zwischen Alt und Neu.
Vom Wohnzimmer aus öffnet sich der Weg in das Schlafzimmer, den intimsten Raum der Wohnung. Hier entfaltet sich auf beinahe zehn Metern ein durchgehendes Stauraumkonzept, das hinter einem glänzenden Spiegelschrank verborgen liegt. Kleidung, Accessoires und persönliche Alltagsgegenstände finden hier mehr als genug Platz. Ein Sekretär, der zugleich als Schminktisch dient, bietet Raum für persönliche Beauty-Rituale. Ein üppiger, runder Pouf lädt dazu ein, mit einer Freundin bei einem Glas Champagner zu sitzen und über das Leben nachzusinnen.
Materialien und Farben spielen im Schlafzimmer eine besondere Rolle. Samtige Textilien, weich fallende Vorhänge von Kvadrat und die von der Bauherrin ausdrücklich gewünschte Kranich-Tapete verbinden den neu gestalteten Raum mit dem klassischen Charakter der Altbauwohnung und ihren kunstvollen Stuckdetails. Warme Senf- und Pudertöne erinnern an die stilvolle Eleganz einer Palm-Springs-Suite. Ein Teppich von Ege Carpets definiert gekonnt den Schlafbereich und greift farblich das Motiv der Tapete auf. Es entsteht ein Zusammenspiel, das dem Raum eine sehr stimmige, fast magische Atmosphäre verleiht.
Zurück im Flur wartet eine weitere Überraschung: die Garderobe, liebevoll „Orangeroom“ genannt. Ein korallenfarbener Teppich, Spiegel und ein tieforanger Samtvorhang von Kvadrat bestimmen den Raum. Hinter dem Vorhang verbirgt sich zusätzlicher Stauraum, während eine in Signalorange pulverbeschichtete Garderobenstange aus perforiertem Metall das Design abrundet. „Gerade bei diesem Räumchen war es mir wichtig, ihn zu einem Erlebnis zu machen“, erklärt die Innenarchitektin Fabiane Unger. Jede Zone der Wohnung sollte Emotionen wecken, Freude machen und inspirieren. Dass Gäste hier gelegentlich sogar spontan feiern möchten, gehört ganz selbstverständlich dazu - schließlich sind wir in Berlin.
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